Nachverdichtung – Fluch oder Segen?

Hamburg wächst seit mehr als 10 Jahren. Und obwohl Hamburg seit der Regierungsübernahme der SPD 2011 ein ambitioniertes Wohnungsbauprogramm verfolgt, ist das Wohnungsangebot aufgrund des anhaltenden Zuzugs nach Hamburg nach wie vor nicht ausreichend, um allen alteingesessenen und  neuen Hamburgerinnen und Hamburgern ein bedarfsgerechtes und bezahlbares Wohnen zu ermöglichen. Aufgrund der großen Nachfrage und des nicht schnell genug wachsenden Angebots steigen auch in Hamburg die Mieten weiter, wenn auch langsamer als in anderen Großstädten, die kein vergleichbares Wohnungsbauprogramm aufgelegt haben.

Auch in Harburg ist die Einwohnerzahl von 152.000 im Jahr 2010 auf 165.000 im Jahr 2017 gestiegen. Da der Zuzug nach Hamburg und nach Harburg auch in den nächsten Jahren anhalten wird, ist absehbar, dass Harburg im Laufe des kommenden Jahrzehnts die Marke von 180.000 Einwohnern überschreiten wird.

Um ein bedarfsgerechtes und bezahlbares Wohnungsangebot in angemessener Zahl zu erreichen, muss der Bau von Wohnungen fortgesetzt werden, damit Menschen es sich auch weiterhin leisten können, in Harburg zu leben und zukünftig auch die Möglichkeit haben, bei Veränderung ihrer Lebenssituation, wie z.B. bei Gründung einer Familie, eine andere, dem neuen Bedarf entsprechende Wohnung zu finden.

Der Wohnungsbau in Hamburg beruht auf den beiden Säulen „Mehr Stadt an neuen Orten“ und „Mehr Stadt in der Stadt“.

Dabei umfasst „Mehr Stadt an neuen Orten“ den gesamten Bereich des Wohnungsbaus auf vorher nicht für Wohnungsbau genutzten Flächen, also Grünflächen oder sog. Konversionsflächen, das heißt solchen Flächen, die vorher z.B. gewerblich genutzt wurden. In Harburg sind Beispiele hierfür das neue Quartier „Fischbeker Heidbrook“, das gerade auf dem Gelände der ehemaligen Röttiger-Kaserne entsteht, das geplante Quartier „Fischbeker Reethen“ in Neugraben-Fischbek, das auf landwirtschaftlichen Grünflächen entstehen wird oder das „Neuländer Quarree“ an der Neuländer Straße im Harburger 20170804_192156Binnenhafen, auf dem in den kommenden Jahren auf einer ehemaligen Gewerbebrache ein gemischtes Quartier von Wohnen und Gewerbe mit etwa 450 Wohnungen gebaut werden wird.

Wenn man in ausreichender Zahl Wohnungen bauen und zugleich die Naherholungsgebiete mit geschützten Grünflächen und Waldgebieten und damit die Lebensqualität in der Stadt erhalten will, kann der Wohnungsbau in Hamburg nicht ausschließlich auf der grünen Wiese realisiert werden. Es braucht eine Nachverdichtung in bereits bestehenden Wohngebieten, also „Mehr Stadt in der Stadt“.

Nun gibt es Einige, die versuchen, die Nachverdichtung von Wohngebieten in populistischer Weise als schädlich  für das Stadtklima und die dort bereits wohnenden Menschen darzustellen, um ihren politischen Vorteil zu ziehen. Dies ist der durchschaubare Versuch eine in anderen Bereichen des politischen Lebens jedenfalls teilweise erfolgreiche Taktik zu kopieren, indem Ängste und Vorbehalte geschürt werden, die mit den tatsächlichen Umständen nur wenig zu tun haben.

Der Begriff der Nachverdichtung ist zunächst einmal ein Oberbegriff für eine Vielzahl von unterschiedlichen möglichen Maßnahmen, um den in der Stadt nur begrenzt vorhandenen Raum für den Bau von Wohnungen besser zu nutzen. Wer den Flächenverbrauch in Grenzen halten und Freiflächen von Bebauung freihalten will, muss sich Gedanken über eine optimalere Nutzung20170728_141544 von Bauflächen machen.

Dies geschieht z.B. dadurch, dass alte Mehrfamilienhäuser aus den späten 40er und frühen 50er Jahren, die heutigen Anforderungen an das Wohnen nicht mehr genügen, abgerissen und durch moderne Wohngebäude mit einer größeren Zahl an Wohnungen ersetzt werden. In Harburg ist dies an der Denickestraße geschehen, wo die SAGA 170 alte Wohnungen abgerissen und durch 310 neue Wohnungen ersetzt hat.

Eine weitere Art der Nachverdichtung ist das Schließen von Baulücken, die teilweise noch kriegsbedingt, in Baugebieten vorhanden sind. Gute Beispiele hierfür finden sich z.B. in der Schwarzenbergstraße.20170728_141238

Zu den Methoden der Nachverdichtung gehört auch die Nutzung bisher anders genutzter Flächen im Rahmen von bereits bestehender Bebauung. Dabei kann es sich um die Überbauung von bisherigen Parkplatzflächen wie an der Weusthoffstraße oder um den Wohnungsbau auf bisher gewerblichen genutzten Flächen wie beim ehemaligen Getränkemarkt am Hastedtplatz oder im Marmstorfer Zentrum am Ernst-Bergeest-Weg/Ecke Binnenfeld  handeln.

Auch eine Aufstockung bereits vorhandener Mehrfamilienhäuser ist eine bewährte Maßnahme der Nachverdichtung, um auf bereits bebauten Flächen neue Wohnungen zu erhalten.

Schließlich gibt es noch die Möglichkeit der Bebauung großer Blockinnenbereiche mit neuem Wohnraum. Obwohl es sich hierbei um die tatsächlich sensibelste Art des Neubaus handelt, da damit der Verlust von Innenhofflächen verbunden ist, gibt es auch in Harburg gelungene Beispiele solcher Nachverdichtung in großen Innenhofbereichen z.B. an der Marienstraße oder an der Heimfelder Straße.

Unter dem Oberbegriff „Nachverdichtung“ finden sich also nicht nur verschiedene sondern auch sehr vielfältige Möglichkeiten vorhandene Wohnungsbauflächen intensiver und besser zu nutzen. Diese Möglichkeiten sind in der Regel geeignet, ohne unangemessene Beeinträchtigung der Anwohnerinnen und Anwohner mehr Wohnen zu ermöglichen. Auch wenn nicht alle Maßnahmen an jeder Stelle geeignet sind und bei jedem Vorhaben im Einzelfall neu zu prüfen ist, ob von der geplanten Baumaßnahme unangemessene Benachteiligungen ausgehen, ist eine generelle Verteufelung der Nachverdichtung nichts anderes als populistischer Unsinn.

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