Herbert- und Greta-Wehner-Platz nach Neugestaltung eingeweiht

Am 30. Juni 2023 wurde der neu gestaltete Herbert- und Greta-Wehner-Platz in Harburg wieder dem allgemeinen Verkehr übergeben. Mit dem neuen Pflaster und den neuen Gestaltungs und Sitzelementen folgt der Herbert- und Greta-Wehner-Platz optisch dem Sand und der Hölertwiete mit hochwertigem Pflaster und einem Konzept, dass zu einer größeren Klimaresilienz führt, indem bei Starkregen Wasser gespeichert und für die alten und neuen Bäume des Platzes zur Verfügung steht.

Zugleich wurde im Bereich des Harburger Rings mit diesen Arbeiten die Veloroute 11 weiter ausgebaut, so dass auch der Radverkehr an diesem Knotenpunkt reibungsloser laufen wird.

Die Wiederöffnung des Platzes war allerdings auch ein guter Anlass, um an die Namensgeber Herbert und – neuerdings – auch Greta Wehner, ihre Arbeit und ihre Bedeutung für die Demokratie zu erinnern. Meine Rede hierzu:

Sehr geehrte Frau Pein, sehr geehrter Herr Tjarks, sehr geehrte Frau Fredenhagen, meine sehr geehrten Damen und Herren, 

Ich freue mich, dass ich aus dem heutigen Anlass ein paar Worte über Herbert und Greta Wehner beisteuern darf. Die Älteren unter uns werden Herbert Wehner in seiner Zeit als Bundestagsabgeordneter für Harburg von 1949 bis 1982 vielleicht selbst erlebt haben. Ich erinnere mich daran, dass ich ihn als Schüler 1980 im Wahlkampf in der Eichenhöhe und später noch einmal im Marmstorfer Schützenhof erlebt habe. Und ich erinnere mich – obwohl er schon in der Spätphase seiner politischen Laufbahn war – an einen Mann, der mit Leidenschaft seine politischen Auffassungen vertrat. Herbert Wehner war ein leidenschaftlicher Politiker, eine prägende Figur der SPD und der ersten 30 Jahre der Bundesrepublik. Er war Minister in der großen Koalition 1966 – 1969 und danach 13 Jahre Fraktionsvorsitzender der SPD in der sozialliberalen Koalition. Und wer das mit heutigen Verhältnissen vergleicht kann auch vor den historisch schwierigen Zeiten der späten 70er Jahre ermessen, welche Leistung das gewesen ist. Herbert Wehner mochte manchmal grob erschienen sein. Er verstand es, in Debatten auch eine scharfe Klinge zu führen. Unzählige Ordnungsrufe im Parlament geben davon Zeugnis. Aber jemand hat mal – befragt nach dem Unterschied zwischen Wehner und Willy Brandt – gesagt, Wehner sei aus der Ferne unnahbar erschienen, sei aus der Nähe jedoch nahbar und menschlich gewesen. Das sei bei Brandt umgekehrt gewesen. Tatsächlich war Herbert Wehner den Schilderungen nach im Privaten ein sehr umgänglicher Mensch und mit derselben Hingabe, die er auf der großen politischen Bühne zeigte, wenn es darum ging Gesetze durchzusetzen, kümmerte er sich auch im Kleinen und im Stillen um die sehr persönlichen Probleme von vielen Menschen. Erinnert sei hier an seinen Einsatz für Ausreisewillige aus der DDR. Herbert Wehner war nicht der omnipräsente Wahlkreisabgeordnete, was aufgrund seiner bundespolitisch wichtigen Aufgaben auch nicht möglich war. Aber wenn er gebraucht wurde, sei es wegen der Sietas-Werft oder der Ölmühle aber auch zur Rettung des Mergellschen Parks, dann war er da. Und das ist ein großer Verdienst von Greta Wehner, die bis zu ihrem Tod am 23.12.2017 eine engagierte Kämpferin für die Demokratie und die Sozialdemokratie blieb. Unter anderem deshalb trägt dieser Platz seit 2021 auch ihren Namen.  Sie war ab 1953 seine Verbindung zu Harburg, sein Auge und sein Ohr. Sie war die Ansprechpartnerin für die Sorgen und Nöte der Bürgerinnen und Bürger vor Ort, wenn Herbert Wehner nicht selbst vor Ort sein konnte. Für diejenigen, die um Wehners Hilfe baten. Sie hielt den Kontakt zur lokalen SPD und zur Verwaltung und war immer über bestehende oder entstehende Probleme orientiert, so dass auch Herbert Wehner seinen Wahlkreis immer im Blick hatte. Ihr Interesse an Harburg verlor sie auch später als sie schon viele Jahre in Dresden, der Geburtsstadt Wehners, lebte, nicht. Ich hatte das Vergnügen, sie 2012 in ihrer Wohnung in Dresden besuchen zu dürfen. Und ihre erste Frage galt der Sietas-Werft, die damals wieder einmal in wirtschaftlichen Schwierigkeiten war. Entgegen eines häufig erweckten Eindrucks hatten Herbert und Greta Wehner ein partnerschaftliches Verhältnis auf gleichberechtigter Basis. Sie war viel mehr als „diejenige, die Herbert die Thermoskanne trug und über die Einhaltung seines Diätplans wachte“, wie es häufig despektierlich hieß. Schon damals war sie weit mehr als das. In dieser Partnerschaft hatte jeder seine Aufgabe. Und Greta Wehner war ebenso wie Herbert Wehner eine politisch engagierte Sozialdemokratin mit einem starken Gespür für die Menschen und einem bedingungslosen Einsatz für die Demokratie. Deshalb zog sie wenige Jahre nach Herbert Wehners Tod 1990 nach Dresden, um beim Aufbau der sächsischen SPD zu helfen und mit der Gründung des Herbert-Wehner-Bildungswerks 1992 und der sie tragenden Herbert-und-Greta-Wehner-Stiftung 2003 wollte sie einen Beitrag für die politische Bildung leisten, in dem Sinne, dass zur Demokratie in Wehnerschem Sinne nicht nur Wahlen gehören, sondern alle Bereiche der Gesellschaft wie Familie, Gewerkschaften, Sozialverbände, Privates wie Organisationen gehören. Franz Müntefering schrieb über Greta Wehner, „Aus Ihren Texten spricht ihre Persönlichkeit in all ihren Facetten. Herz und Verstand, Mitmenschlichkeit und gesellschaftliche Verantwortung sind immer dabei.“ In diesem Sinne bin ich als Sozialdemokrat froh, dass der neu gestaltete Platz den Namen zweier so beeindruckender sozialdemokratischer Persönlichkeiten trägt. 

 

Aktive Immobilienstrategie für das Phoenix-Viertel 

Das Phoenix-Viertel beschäftigt die Bezirksverwaltung und die Bezirkspolitik schon seit mehr als 20 Jahren. Das Gründerzeitviertel, eine ehemalige Arbeitersiedlung, ist – trotz aller bisherigen Versuche einer sozialen und baulichen Stabilisierung – nach wie vor ein sozialer Brennpunkt. 

Zuletzt hatte die Stadt mit einer Ausweisung als Sanierungsgebiet in den Jahren 2005 bis 2014 mit entsprechenden städtischen Maßnahmen und Förderanreizen für private Eigentümer versucht, eine Verbesserung der Situation in einzelnen Handlungsfeldern zu bewirken. Das war in einigen Handlungsfeldern, die die soziale Infrastruktur und den öffentlichen Raum betraf, auch durchaus erfolgreich. Im Bereich Wohnen und der Beseitigung städtebaulicher Defizite sind die Ziele allerdings nicht erreicht worden. 

Da die Wohnungsgrößen im Regelfall maximal nur bis zu 75 qm betragen und die Wohnungen häufig nicht dem modernen Stand entsprechen und vielfach auch überbelegt sind, ist auch eine soziale Stabilisierung des Quartiers schwer möglich. Zudem ist die Eigentümerstruktur kleinteilig mit einem hohen Anteil an Kleineigentümern, die häufig über wenig Kapital verfügen, um in die Modernisierung zu investieren. 

Die Bezirksverwaltung hat jetzt in einem integrierten Projekt in Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachbehörden und der Polizei einen neuen Ansatz gewählt. Im Rahmen dieses Projektes zur Aufwertung des Phoenix-Viertels wird ein vielfältiger Ansatz mit ordnungsrechtlichen, sozialen oder baulichen Maßnahmen zur Verbesserung der Wohn- und Aufenthaltsqualität sowie zur Stabilisierung der sozialen Struktur verfolgt, der auch die Idee eines aktiven Immobilienmanagements umfasst.  

Die Stadt Dortmund hat bereits langjährige und umfassende Erfahrungen gesammelt mit der Umsetzung eines “Integrierten Stufenmodell zum strategischen und koordinierten Vorgehen im Umgang mit ordnungsrechtlichen und städtebaulichen Problemimmobilien”. In der Dortmunder Nordstadt liegt eine Problemlage ähnlich dem Phoenix-Viertel vor. Auch im “Leitfaden zum Umgang mit Problemimmobilien” des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) von 2019 wurde die Nordstadt beschrieben. 

In der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses vom 24.04.2023 hatte eine Vertreterin der Stadt Dortmund die Erfahrungen mit dem Stufenmodell und insbesondere die erfolgreiche Immobilienstrategie der Stadt vorgestellt, die darauf beruht, einerseits über den Beschluss eines Sanierungsgebiets ein Vorkaufsrecht für die Stadt zu etablieren und andererseits Wohnungsbaugesellschaften zu animieren, aktiv den Versuch zu unternehmen, strategische Immobilien zu erwerben. 

Der Vorsitzende der SPD-Bezirksfraktion Frank Richter sagt: “Das nun angelaufene Projekt im Phoenix-Viertel hat mit der gemeinsamen Arbeitsrate von Polizei, Bauamt und Ordnungsamt bereits bemerkenswerte Erfolge bei der Eindämmung des Glücksspiels und verschiedener baulicher und gewerberechtlicher Verstöße im Bereich des Quartiers erzielt. Auch das erneute Quartiersmanagement mit dem Träger “Tollerort” wird positive Effekte haben. Das Projekt trägt auch bereits den Ansatz in sich, ein Vorkaufsrecht im Phoenix-Viertel zu etablieren, um im Falle des Verkaufs von Immobilien die Möglichkeit zu haben, dass die Stadt strategisch Immobilien erwirbt, um damit beispielhaft Wohnraum zu modernisieren und neu zu schaffen. Der Bericht aus Dortmund hat aber gezeigt, dass es darüber hinaus sinnvoll sein kann, größere Wohnungsbausgesellschaften, wie die städtische SAGA oder die Wohnungsbaugenossenschaften zu animieren, aktiv auf Eigentümer zuzugehen und ihnen Angebote für den Ankauf von Immobilien zu machen. Bei der Sanierung des Quartiers Heimfeld-Nord Anfang der 2000er hat sich gezeigt, dass das Vorhandensein eines größeren Grundeigentümers wie der SAGA entscheiden für den Erfolg eines solchen Projekts ist, da die Modernisierung und vor allem Schaffung größeren Wohnungen neue BewohnerInnen anspreicht.” 

Die Zukunft des Harburger Karstadt-Hauses mitgestalten 

Mit dem Beschluss der Gläubigerversammlung am 27. März 2023, mit dem die Gläubiger im Insolvenzverfahren den Sanierungsvorschlag akzeptiert haben, steht fest, dass der Insolvenzplan umgesetzt wird. Das Harburger Karstadt-Haus wird am 30.06.2023 schließen.

Die Schließung des Hauses im Zentrum Harburgs ist nicht nur ein schwerer Schlag für die Beschäftigten, sondern auch für die HarburgerInnen, die teilweise seit Jahrzehnten in dem Haus eingekauft haben und für die Karstadt immerhin seit 1927 an diesem Standort einfach dazu gehörte.

Es wird aber ebenso eine enorme Herausforderung für die Stadtentwicklung im Bezirk, da für diesen zentralen Standort der Harburger Innenstadt eine neue Lösung gefunden werden muss, die für diese attraktive Lage passend ist. Es ist nun Aufgabe des Bezirks mit dem Eigentümer des Grundstücks über die Zukunft zu sprechen. Es muss geklärt werden, welche Vorstellungen dieser von der Zukunft des Hauses oder der Entwicklung dieses innerstädtischen Grundstücks hat. Ebenso, wie sich diese Vorstellungen mit den, im Rahmenplan Harburger Innenstadt bereits skizzierten, städtebaulichen Vorstellungen des Bezirks, vertragen. Sofern dabei keine Einigkeit erzielt werden kann, sollte auch die Möglichkeit des Erwerbs der Immobilie durch die Stadt kein Tabuthema sein. In anderen Städten sind Karstadt- und Kaufhof-Immobilien von den Kommunen aufgekauft und einer teilweise öffentlichen Nutzung zugeführt worden.

Auch steht zu befürchten, dass in der Zeit nach der Schließung am 30.06.2023 ein jahrelanger Leerstand bevorsteht, der die Attraktivität der Innenstadt gerade im Bereich des neu gestalteten Herbert-und-Greta-Wehner-Platzes beeinträchtigt. Ein solcher Leerstand mit seinen negativen Auswirkungen war leider in unmittelbarer Nachbarschaft beim jahrelangen Leerstand des zwischenzeitlich abgerissenen Harburg-Centers zu beobachten.

Ein für das Umfeld schädlicher Leerstand muss daher durch eine attraktive Zwischennutzung des Gebäudes unbedingt vermieden werden.

Als 2020 das Karstadt Sporthaus und der Kaufhof-Standort in der Mönckebergstraße aufgegeben worden waren, wurde mit Hilfe von Mitteln des Hamburger Senats über ein Programm namens Frei_Fläche und dem eigens für derartige Zwecke geschaffenen Fonds für kreative Zwischennutzung eine Kreativnutzung des Karstadt-Sporthauses über die Hamburger Kreativ Gesellschaft aufgenommen. Das ermöglichte Zwischennutzungen wie “Artstadt”. Neben kulturellen Nutzungen gibt es dort unter dem Label JUPITER auch Co-Working-Space oder Veranstaltungsräume, in denen u.a. die Stadtwerkstatt für die Hamburger Innenstadt regelmäßiger Gast ist.

Sollte eine eigentümerseitige Nach- oder Zwischennutzung schwierig sein, wäre es im Sinne der Harburger Stadtentwicklung wichtig, eine vergleichbare kreative Zwischennutzung zu unterstützen.

Der Vorsitzende der SPD-Fraktion Harburg Frank Richter, sagt: “Die nun wohl endgültige Schließung des traditionsreichen Harburger Karstadt-Kaufhauses ist für die Beschäftigten ein schwerwiegender Einschnitt und zugleich ein großer Verlust für die Harburger Innenstadt. Städtebaulich muss es nun das Ziel sein, in Abstimmung mit dem Eigentümer eine Lösung für die Nachnutzung der Immobilie oder des Grundstücks und vor allem Ideen für eine Zwischennutzung zu entwickeln. Sollte dem Eigentümer dies nicht möglich sein, sehen wir die Stadt in der Pflicht, eine kreative Zwischennutzung auch finanziell zu unterstützen. Das Harburger Karstadt-Haus hat aufgrund seiner zentralen Lage für Harburg dieselbe Bedeutung wie das Karstadt-Sporthaus für die Mönckebergstraße, so dass auch ein vergleichbarer Einsatz für Harburg wünschenswert wäre. Auch ein Ankauf des Grundstücks durch die Stadt muss bei im Zuge der weiteren Entwicklung bei dieser zentralen Lage in der Innenstadt eine Option bleiben, sollte der Eigentümer selbst die Entwicklung der Immobilie selbst nicht vornehmen können oder wollen.”