Ankauf von Grundstücken im Phoenix-Viertel 

m Phoenix-Viertel sind schon einige Initiativen zur Stadtteilentwicklung durchgeführt worden, die bei der sozialen Stabilisierung des Quartiers nur begrenzt erfolgreich gewesen sind, wie die immer wieder auftretenden Schlagzeilen über Vorfälle im und am Rand des Quartiers zeigen. 

In den Jahren 2005 bis 2015 war das Quartier als Stadtteilentwicklungsgebiet S6 Gegenstand umfangreicher Veränderungen. Gerade im öffentlichen Bereich wurden zahlreiche Investitionen in den öffentlichen Raum, in Bildungs- und soziale Angebote vorgenommen. 

So entstand der Feuervogel – Bürgerzentrum Phoenix als Ausbau der Schule Maretstraße, darin integriert das Bürgerzentrum (Community Center) und ein Jugendclub. Die öffentlichen Spielplätze – vor allem an der Kalischerstraße – wurden saniert und die Zugänge zum Alten Friedhof erneuert. 

Es wurde ein Quartiersbeirat geschaffen, dessen Arbeit – nach Auslaufen der Stadtentwicklungsmaßnahme – aus Mitteln der Bezirksversammlung finanziert wird und der über einen Verfügungsfonds Projekte im Quartier eigenverantwortlich fördern kann.  

Seit neuestem gibt es im Phoenix-Viertel auch wieder ein Quartiersmanagement, das auf fünf Jahre aus Mitteln des Stadtentwicklungsfonds Lebendige Quartiere finanziert wird. 

Trotz all dieser Maßnahmen und der in Teilen auch sehr spannenden Struktur des Quartiers, das auch interessante kulturelle und soziale Projekte beherbergt, ist festzustellen, dass die Ziele im Bereich der Wohnraumgestaltung und des Wohnungsmarkts, die eine bessere und attraktivere Wohnungsstruktur zum Ziel hatten, nicht erfolgreich gewesen sind. 

Anders als in anderen erfolgreichen Quartieren der sozialen Stadtteilentwicklung (z.B. Heimfeld-Nord) befinden sich die Wohnungen zum weitaus größten Teil in kleinteiligem privatem Eigentum. Es fehlt im Bereich des Wohnungsmarkts ein großer Eigentümer wie die SAGA oder eine Genossenschaft, die mit einer größeren Anzahl an Wohnungen auch eine Vorbildrolle für eine Entwicklung und Attraktivitätssteigerung des Wohnraums durch Sanierung, behutsamen Neubau oder Neuordnung vorhandenen Wohnraums einnimmt. 

Die Stadt Dortmund hat bereits langjährige und umfassende Erfahrungen gesammelt mit der Umsetzung eines “Integrierten Stufenmodell zum strategischen und koordinierten Vorgehen im 
Umgang mit ordnungsrechtlichen und städtebaulichen Problemimmobilien”. In der Dortmunder Nordstadt liegt eine Problemlage ähnlich dem Phoenix-Viertel vor. Auch im “Leitfaden zum Umgang mit Problemimmobilien” des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) von 2019 wurde die Nordstadt beschrieben. 

Im Leitfaden des BBSR wird auch auf Modellvorhaben des Landes NRW zu „Problemimmobilien im Kontext der Zuwanderung aus Süd-Ost-Europa“ eingegangen. Dies ist für die Stadt Dortmund ein wichtiger Baustein der gesamtstädtischen Strategie im Umgang mit Problemimmobilien. 2017 wurde der Erwerb einer ersten Problemimmobilie über das Modellvorhaben refinanziert. Der Stadt Dortmund standen dadurch Mittel zur Deckung von unrentierlichen Aufwendungen zur Verfügung. 

Die Erfahrungen der Stadt Dortmund können das Wissen um die Chancen und Risiken des Erwerbs von Immobilien in Problemvierteln auch für den Bezirk Harburg erheblich ausbauen. 

Vor diesem Hintergrund hat die Bezirksversammlung aufgrund eines Antrages der SPD-Fraktion nun beschlossen, dass sich der Senat und die zuständigen Behörden gebeten werden sollen, sich auf den Weg zu machen, im Phoenix-Viertel  strategische Grundstücke im Phoenix-Viertel zu erwerben, um im Rahmen der baulichen Stadtentwicklung und der Verbesserung der Wohnungssituation im Quartier eine Vorbildrolle einzunehmer 

Der Vorsitzende der SPD-Bezirksfraktion Frank Richter führt aus: “Die Übernahme strategischer Grundstücke in relevanter Zahl z.B. durch die städtische SAGA könnte mit einer Modernisierung und Neustrukturierung sowie einer aktiven Belegungssteuerung dazu führen, für das Phoenix-Viertel eine vorbildhafte Entwicklung zur Verbesserung des Wohnungsangebotes und des Wohnungsmarkts und der sozialen Situation anzustoßen.” 

Die SPD-Abgeordnete Oldenburg ergänzt:” Warum sollen wir nicht von anderen Städten, in denen solche Konzepte schon erfolgreich laufen, lernen. Deshalb wollen wir auch aus Dortmund, wo ein entsprechendes Projekt schon seit einigen Jahren erfolgreich ist, einen Bericht, um die Faktoren zu erkennen, die erforderlich sind, das es ein erfolgreiches Projekt werden kann.” 

Zukunft der Harburger Innenstadt gestalten 

Die bedauerlichen Schlagzeilen über den erneuten Insolvenzantrag der Galeria Karstadt-Kaufhof-Gruppe, werfen ein aktuelles Schlaglicht auf die problematische Lage vieler Innen-städte in Deutschland, speziell nach der Corona-Pandemie. 

Die Innenstädte – auch die Harburger Innenstadt – stehen seit vielen Jahren vor enormen Herausforderungen. Die Zunahme des Online-Handels, die erweiterten Öffnungszeiten und zuletzt die Corona-Pandemie haben in dazu geführt, dass der stationäre Einzelhandel sich immer weiter aus den Innenstädten zurückzieht und der Leerstand zunimmt. Das betrifft gerade inhabergeführte Geschäfte, die zu einem großen Teil für die Attraktivität eines Standorts sorgen. Mittlerweile hat dieser Trend aber auch die Filialgeschäfte größerer Unternehmen erreicht. 

Das führt zu der Frage, welche Möglichkeiten Eigentümer, Geschäftsinhaber, Bezirksverwaltung und Bezirkspolitik haben, um die Harburger Innenstadt als Einzelhandelsstandort aber auch als attraktiven Aufenthaltsort aufzuwerten. 

Mittel- bis langfristig wird die Harburger Innenstadt nur als belebtes Quartier erhalten werden können, wenn das Quartier zusätzlich zu einem attraktiven Wohnstandort entwickelt werden kann. Ein erster Schritt dahin ist mit dem Rahmenplan Harburger Innenstadt gemacht worden. Leider sind erste Projekte in diese Richtung auch wegen der Corona-Infektion verzögert angelaufen oder offenkundig zunächst auf Eis gelegt worden.  

Im Hinblick auf die Aufenthaltsqualität wurde in den vergangenen 2 Jahren mit der Aufwertung des Sand und der aktuell in der Umsetzung befindlichen Umgestaltung des Herbert- und-Greta-Wehner-Platzes einige Vorarbeit geleistet. Sobald die beschlossene optische Aufwertung der Seeve-Passage erfolgt ist, stellt sich allerdings noch die Frage, ob und wie die Qualität der Lüneburger Straße verbessert werden kann. 

Harburg Marketing ist mit etlichen Aktionen daran beteiligt, mehr Menschen das Einkaufen und den Aufenthalt in der Harburger Innenstadt nahezubringen. So hat die Aktion “Herbstblühen”, bei der insgesamt 8 Hochbeete im Bereich der Fußgängerzone aufgestellt wurden, mehr Grün in die Lüneburger Straße gebracht. Weitere Aktivitäten – seien es Veranstaltungen oder thematische Aktionstage vor allem zu verkaufsoffenen Sonntagen oder Werbeaktionen – sind ein ebenfalls bereits vorhandenes belebendes Element. 

Aber angesichts der Entwicklung sind weitere Ideen nötig, um eine Trendwende für Harburg zu ermöglichen, vor allem, wenn die Harburger Karstadt-Filiale tatsächlich gefährdet sein sollte. In vielen Städten laufen Workshops oder Ideenwettbewerbe für die Innenstädte, so wie z.B. auch die 5. Stadtteilwerkstatt in der Mönckebergstraße, die sich mit der Zukunft der Hamburger Innenstadt und deren Attraktivität beschäftigt. 

Viele Städte setzen auf mehr Sitzbänke, mehr Grün oder Trinkwasserbrunnen, um die Aufenthaltsqualität zu verbessern. Andere versuchen mit Fitnessgeräten oder open-air-Verkaufsangeboten andere Nutzer in die Innenstädte zu locken. 

Auch die Verknüpfung des lokalen Einzelhandels und Gewerbes sowie des regionalen Stadtmarketings über eine Verbindung mit digitalen Formaten wird in etlichen nicht nur deutschen Städten erprobt, um den potenziellen Kunden einen Überblick über das Angebot zu geben. 

Die Harburger Innenstadt braucht zusätzlich zu den bereits fertiggestellten und begonnenen Maßnahmen weitere Ideen und Konzepte für die Attraktivität als Einzelhandelsstandort und die Steigerung der Aufenthaltsqualität. 

Dazu sagt der Vorsitzende der SPD-Bezirksfraktion Frank Richter: “Wir brauchen einen neuen Dialog mit allen Beteiligten in der Harburger Innenstadt z.B. in Form einer Stadtteilwerkstatt. Seit mehr als 20 Jahren beschäftigen sich Politik, Verwaltung und Beteiligte in der Innenstadt damit, wie diese attraktiver werden kann. Der Business Improvement District (BID) war ein Versuch, Dialogformate waren ein anderer und auch das City-Management (heute Harburg Marketing) ist aus diesem Grund gegründet worden. Trotz erreichter Verbesserungen gibt es noch viele Baustellen. Es braucht weitere, auch neue Ideen für eine bessere Zukunft der Harburger Innenstadt, zumal seit dem letzten Dialogforum auch bereits wieder fast 10 Jahre vergangen sind, in denen neue Ideen und neue Trends entstanden sind und in denen sich Ansprüche an Lebens- und Aufenthaltsqualität verändert haben.”